Vortrag | 2. Oktober 2026 –
UX Webinar "KI achtsam nutzen" mit Alessandra Rodrigues Eismann

KI macht uns schneller, unterstützt bei Routineaufgaben und kann die Qualität unserer Arbeit verbessern. Aber was passiert, wenn wir immer mehr Denkaufgaben an sie abgeben? Hier erfährst du, welche Auswirkungen eine intensive KI-Nutzung auf Lernen, kritisches Denken und unsere eigenen Fähigkeiten haben kann und wie UX-Professionals KI bewusst einsetzen können, ohne wichtige Kompetenzen aus der Hand zu geben.



Und darum geht es

KI kann Arbeitsprozesse beschleunigen und die Qualität von Ergebnissen verbessern. Gleichzeitig gibt es Hinweise darauf, dass eine intensive Nutzung Auswirkungen auf Lernen, kritisches Denken und die eigenen Fähigkeiten haben kann. Das Webinar gibt einen Überblick über den aktuellen Forschungsstand und beleuchtet Phänomene wie Cognitive Offloading, Automation Bias und Deskilling.

Das erwartet dich

  • Einblick in aktuelle Forschung zur KI-Nutzung
  • Auswirkungen von KI auf Lernen und kritisches Denken
  • Einführung in Cognitive Offloading, Automation Bias und Deskilling
  • Zusammenhang zwischen KI-Nutzung und Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten
  • Risiken einer vollständigen Auslagerung von Denkaufgaben
  • Bedeutung von Urteilsvermögen und Empathie für UX-Professionals
  • Strategien für einen bewussten Einsatz von KI im Arbeitsalltag
  • Einordnung von KI-Detox und KI-freien Arbeitstagen
  • Vergleich von eigener Analyse und KI-Ergebnissen
  • KI als Lernpartner statt als reiner Ghostwriter
  • Umgang mit KI-Zusammenfassungen im User Research
  • Chancen und Grenzen von KI-generierten Personas
  • Einordnung von KI-Agenten für Usability- und Konzepttests
  • Praktische Impulse für den eigenen KI-Workflow

Wichtige Take-Aways für UX-Professionals

  • KI kann die Arbeit beschleunigen und verbessern, aber ein gutes Ergebnis bedeutet nicht automatisch, dass dabei auch ein Lern- oder Kompetenzgewinn entsteht.
  • Cognitive Offloading kann sinnvoll sein, wenn Routinetätigkeiten wie Transkription oder Formatierung ausgelagert werden. Kritischer wird es bei Aufgaben, bei denen Lernen, Beurteilen und Verstehen entscheidend sind.
  • Automation Bias kann unsere Entscheidungen beeinflussen, weil Menschen dazu neigen, Empfehlungen automatisierter Systeme zu vertrauen – selbst wenn eigene Informationen dagegensprechen.
  • Deskilling kann schleichend entstehen, wenn wichtige Fähigkeiten immer seltener selbst eingesetzt werden. Die eigene Leistung kann mit KI trotzdem zunächst gut bleiben, wodurch der Kompetenzverlust schwerer zu erkennen ist.
  • UX-Professionals sollten bewusst entscheiden, welche Fähigkeiten sie selbst erhalten und weiterentwickeln möchten und welche Tätigkeiten sie guten Gewissens an KI abgeben können.
  • Fleißarbeit lässt sich gut auslagern, während Urteilsarbeit wie Priorisierung, Insight-Generierung oder Designentscheidungen weiterhin bewusst selbst ausgeführt werden sollte.
  • Rohdaten sollten möglichst zuerst selbst betrachtet werden, bevor eine KI-Zusammenfassung gelesen wird. So entsteht zunächst ein eigener Eindruck, bevor die KI eine bestimmte Interpretation vorgibt.
  • Erst selbst denken und dann mit KI vergleichen kann besonders wertvoll sein. Unterschiede zwischen eigener Analyse und KI-Ergebnis machen sowohl eigene blinde Flecken als auch Schwächen der KI sichtbar.
  • KI kann als kritischer Sparringspartner eingesetzt werden, indem sie gezielt nach Gegenargumenten, alternativen Erklärungen oder Schwachstellen eines Konzepts gefragt wird.
  • KI eignet sich auch als Lernpartner, wenn sie Lösungswege erklärt, Feedback auf eigene Ergebnisse gibt oder beim Reflektieren unterstützt, anstatt die komplette Aufgabe zu übernehmen.
  • Ein KI-Detox allein verändert wenig, wenn anschließend wieder dieselben Nutzungsmuster entstehen. Sinnvoller kann es sein, ausgewählte Kernkompetenzen regelmäßig und gezielt ohne KI zu trainieren.
  • Bei Personas kann der Prozess wichtiger sein als das Artefakt, weil die intensive Auseinandersetzung mit Zielgruppen, Research-Daten und unterschiedlichen Bedürfnissen Empathie und Verständnis entstehen lässt.
  • KI-Personas sind nur so gut wie ihre Datengrundlage und sollten reale Nutzer nicht einfach ersetzen. Sie können jedoch als Diskussionsgrundlage oder Ergänzung im Research eingesetzt werden.
  • KI-Agenten können Research erweitern, beispielsweise indem sie Prototypen vorab untersuchen. Die im Webinar beschriebenen Vergleiche mit echten Nutzertests zeigen jedoch noch deutliche Unterschiede.
  • Nähe zu echten Nutzer** bleibt zentral**, weil Widersprüche, Zwischentöne und unerwartete Verhaltensweisen durch simulierte Nutzer nicht zwangsläufig realistisch abgebildet werden.
  • Achtsamer KI-Einsatz bedeutet nicht weniger KI, sondern bewusster zu entscheiden, wann sie unterstützt, wann sie herausfordert und wann das eigene Denken wichtiger ist.

Folien zum Vortrag