German UPA | Beitrag vom 07.07.2026 –
"Das kann auch nach vorne losgehen" – wie wir beim UX Festival einen Raum für Zuversicht geöffnet haben
Die Idee
Wir alle wissen, dass UX gerade wegen KI unter Druck steht. Aber genau deshalb wollten wir bewusst in die andere Richtung schauen: Welche Chancen stecken im Wandel – für unseren Berufsstand, für jede:n von uns persönlich?
Die Session war explizit für Optimist:innen und Skeptiker:innen gleichermaßen gedacht. Denn wer genau weiß, was nicht funktioniert, weiß auch am besten, was es bräuchte, damit es funktioniert. Das ist der Moment, in dem aus Kritik eine Chance wird.
Der Rahmen: drei Fragen und eine rosarote Brille
Warum eigentlich dieser Rahmen? Wir Menschen verlieren uns leichter und schneller in Risiken, Gefahren und Befürchtungen, als dass wir bewusst nach Chancen suchen. Das ist einfach menschlich. Aber gerade in einem Moment des Umbruchs wie diesem lohnt es sich, die Perspektive bewusst zu drehen. Nicht als Ersatz für die kritische Auseinandersetzung mit KI, sondern als Ergänzung dazu.
Deshalb haben wir ganz bewusst nur drei Fragen zugelassen:
- Was lässt dich dankbar und zuversichtlich sein - trotz oder wegen KI?
- Was haben wir jetzt schon gewonnen?
- Und wie sieht die Zukunft aus, in der wir vorkommen?
Dazu rosarote Herzchen-Brillen, damit der positive Blick noch leichter fällt sowie die Ansage, dass ein "ja, aber" heute keinen Platz hat.
Ehrlich gesagt waren wir uns vorher nicht sicher, ob das trägt und ob ein Raum voller UX-Professionals wirklich 45 Minuten lang nur positiv denken kann und will.
Was passiert ist
Es wurde voll. Richtig voll. In kleinen Gruppen konnten alle miteinander die drei Leitfragen diskutieren. Es wurde sich so intensiv ausgetauscht, dass wir die Zeit für die Gruppenarbeit spontan verlängert haben. Es bestand scheinbar Redebedarf.
Am Ende war unser UX & KI Love Board voll mit Post-its, die ausschließlich von Dankbarkeit, Zuversicht und Vision erzählten. Voll und bunt genug, sodass das Board übers Wochenende stehen blieb und jede:r es sich in Ruhe anschauen konnte. Schön war auch, die rosaroten Brillen auf so vielen Köpfen wiederzusehen.
Was auf dem Board zusammenkam
Dankbarkeit & Zuversicht – warum UX eine Zukunft hat
Immer wieder kam der Punkt: Die Nuancen im Wording, das "Human Centered"-Denken, das Erkennen von Lücken → das bleibt beim Menschen. UX liefert genau die Expertise, um KI überhaupt fachgerecht zu füttern. Und: Neue Werte und Visionen müssen von uns kommen. Wir dürfen Teil des Wandels sein, nicht nur Zuschauer:innen.
Was schon gewonnen ist
Zeitersparnis wurde so oft genannt wie kaum etwas anderes, ebenso wie die Entlastung von Routinearbeit und die Möglichkeit, auch an erschöpften Tagen produktiv zu sein. KI tauchte auf dem Board als Sparringspartner, als hilfreicher "Werkstudent", als Sprach-Assistent, als Werkzeug für bessere Prototypen und schnellere erste Ideen auf. Und: Übergreifendes Wissen aus verschiedensten Quellen wird zugänglich, statt nur in einzelnen Köpfen zu stecken → ein kollektiver "UX-Mind".
Mutige Bilder – was noch nicht ist, aber sein könnte
Hier wurde es visionär: persönliche Assistenz für den Alltag, Agenten für einzelne Zielgruppen, individuelle Lernformate, Barrierefreiheit als Standard. Immer wieder auch der Wunsch nach mehr Fokus auf den eigentlichen Kern von UX, weil die lästigen Teile der Arbeit zunehmend abgenommen werden.
Die vollständige Sammlung aller Post-its findet ihr am Ende dieses Beitrags.
Unser Fazit
Es hat unglaublich gut funktioniert. Der Raum war voll, die Diskussionen waren ernst und ehrlich, das Board am Ende voller Post-its. Wir haben offensichtlich einen Nerv getroffen und es war offenbar mal nötig, die guten Seiten des Wandels hervorzuheben. Positives Denken als bewusster Kontrast zum restlichen Programm hat sich als genau richtig erwiesen.
Wir laden auch euch ein, die drei Fragen für euch selbst durchzugehen, ganz gleich, ob ihr in Erfurt dabei wart oder gerade zum ersten Mal davon lest: Wofür seid ihr dankbar und was lässt euch zuversichtlich sein? Was hat KI euch heute schon geschenkt? Und wie sieht die beste Version der Zukunft aus, in der ihr vorkommt?
Anne Görs, Clara Henning, Luisa Dannenberg und Carsten Görs, leefs CX GmbH
Anhang: Alle Post-its vom UX & KI Love Board
Für alle, die tiefer eintauchen möchten: Hier die vollständige Sammlung aller Beiträge vom Board, sortiert nach unseren drei Fragen.
(1) Dankbarkeit & Zuversicht – warum hat UX eine Zukunft?
- Wir liefern die notwendige Expertise, um die KI fachgerecht zu füttern
- Nuancen im Wording kommen immer noch vom Menschen – wir füttern
- Human centered: Skill bleibt das, was relevant sein wird als Superkraft
- Qualität durch human in the loop
- Lücken werden sichtbar, können vom Menschen wieder gefüllt werden
- Neue Werte/Vision muss vom Menschen kommen / wir dürfen Teil des Wandels sein
- Teil des Wandels sein
- Tolle Leute / Sichtbare Verbesserungen / Gute Zusammenarbeit mit Devs
(2) Was haben wir schon gewonnen?
- Zeitersparnis (mehrfach genannt)
- Automatisierung monotoner Arbeit / Routinearbeiten abnehmen
- Lästige Arbeiten abnehmen
- Auch an Tagen produktiv sein, an denen man nicht produktiv wäre
- Eigenes "erschöpftes" Hirn nach langem Tag entlasten
- Mehr Zeit für das Essentielle / Konzepte
- Mehr Output: erste Idee kann man schnell visualisieren
- Bessere Qualität von Prototypen und Produkten (mehrfach)
- Keine Webfaces mehr notwendig, wenn Design System im Code liegt
- Usability Test Findings zusammengefasst
- Dass ich unsere Guides nicht selbst durchsuchen muss → schneller Quellen finden
- Effizienz = keine langen Blogs mehr lesen
- "Bausteine" in Struktur verwandeln
- Geschwindigkeit
- Gewichtung qualitativer Daten nimmt zu
- Protokolle führen (per KI)
- KI-Research-Tool Maze – automatisiert Interviews durchführen, transkribieren, vorauswerten
- Mit MCP Tokens/Variablen in Figma pflegen (dankbar)
- Barrierefreiheit, z. B. Doku für Entwickler
- Hilfreicher "Werkstudent" → formulieren, zusammenfassen
- Email formulieren
- Komplexe Fehlersuche (unterstützt)
- Komplette Idee(n) erklären
- Übergreifendes Wissen aus diversen Datenquellen wird zugänglich und bleibt nicht nur Erfahrung → UX-Mind
- KI-Skills helfen bei guten Prozessen
- Prototypen erstellen (KI-unterstützt)
- Prozessstandardisierung und Wiederholbarkeit
- Explizit denken, beschreiben & Learning
- Nicht mehr bei 0 / mit weißem Blatt anfangen müssen → erste Impulse
- Neue Impulse (Sparring-Partner)
- KI als Sparring-Partner / Inspirationsquelle
- KI als Sparringspartner 24/7
- Workbuddy = es gibt keine dummen Fragen
- KI als jederzeit Feedback-Partner
- KI als Sprach-Assistent (übersetzen)
- Schnelle Artefakte zur Diskussion
- Sicherheit: Entscheidungshilfe und Vorbereitung
- KI-Memory, um Sessions zu (er)halten / als Erinnerungsstütze
- Auswertungswerkzeug(e)
- Reviews (KI-unterstützt)
- Farbpalette definieren (automatisiert)
- Recherche (umfassender, automatisiert)
- Große Menge an Datenquellen sammeln & bereitstellen
- Individuelle Lernformate / Selbstständiges, schnelles Lernen
(3) Mutige Bilder – was noch nicht ist, aber sein könnte
- Persönliche Assistenz für tägliche To-Dos (z. B. via Sprache)
- Agenten helfen beim Erledigen von Aufgaben
- Weniger Arbeitszeit (Hoffnung)
- Ganze Prozesse mehr über KI abbilden → Orga- & Admin-Themen
- Persönliches, individuelles Interface, das funktioniert
- Agenten für Zielgruppen
- Strukturen als Agenten automatisieren
- Mehr Fokus auf den Kern von UX
Autorin: Anne Görs