Erstmals treffen wir uns in den modernen Räumlichkeiten der OTH Nürnberg – mit frischen Impulsen, konkreten Projektergebnissen und einem inhaltlichen Neustart, der die drängenden Fragen unserer Zeit aufgreift.
Interkulturalität trifft Künstliche Intelligenz
Ein zentrales Thema, das uns zunehmend beschäftigt, ist die Schnittstelle zwischen interkultureller User Experience und Künstlicher Intelligenz. KI-Systeme werden von Menschen entwickelt und auf Datensätzen trainiert, die alles andere als global repräsentativ sind. Kultur, Sprache und regionale Lebenswirklichkeiten bleiben dabei häufig außen vor – mit weitreichenden Folgen für Bias, Prompt und Kontext Engineering, Halluzinationen und ethische Verantwortung. Wer ist eigentlich digital und kulturell „literate"? Wie lassen sich KI-Systeme so gestalten, dass sie Menschen in all ihren kulturellen Kontexten wirklich erreichen – nicht als abstrakte Nutzer, sondern als Menschen?
Diese Fragen stellen sich umso dringlicher, als auf der MuC 2025 bereits diskutiert wurde: „In zehn Jahren gibt es keine klassischen UIs mehr – was machen dann die UX-Professionals?" Der Arbeitskreis Interkulturalität will diese Debatte aktiv mitgestalten und die kulturelle Perspektive dort einbringen, wo sie bisher zu oft fehlt: in der Entwicklung menschzentrierter KI-Systeme (Human-Centered AI).
Aktive Forschung und laufende Projekte
Der Arbeitskreis ist längst nicht nur ein Diskussionsforum – er ist ein aktiver Forschungs- und Entwicklungsverbund. Aktuell läuft ein KI-Projekt zur Entwicklung eines Agenten, der UX-Research-Prozesse unterstützt: mit lokalem Einsatz, RAG-Architektur und Finetuning – ergänzt durch eine systematische Tool-Landscape-Analyse. Parallel dazu entsteht auf Basis von Googles Gemini ein Forschungstool, das Vorgehensweisen im interkulturellen User Research untersucht – unter anderem im Kontext Indonesien – und dabei reale Forscher mit KI-gestützten Ansätzen herausfordert. Auch Anwendungsfelder wie KI-unterstützter Journalismus werden dabei mitgedacht.
Einen weiteren wichtigen Impuls lieferte die Expertenbefragung zum UX-Research im interkulturellen Kontext, durchgeführt bei einem der größten Softwareunternehmen: Die Ergebnisse zeigen, wie wichtig es ist, entweder die jeweilige Kultur wirklich zu kennen oder auf lokale UX-Researcher zu setzen – etwa über gezielte Ausbildungsprogramme mit interkulturellen Schwerpunkten. Kulturmodelle wie Hofstede spielen dabei eine untergeordnete Rolle; entscheidend sind der direkte Kontakt in die Zielmärkte und die enge Zusammenarbeit mit lokalen Entwicklungsteams.
Methodenkarten, Fachschrift und Normung
Die Methodenkarten des Arbeitskreises stoßen in der Praxis auf großes Interesse – werden aber als zu komplex wahrgenommen. Eine inhaltliche Überarbeitung, mögliche KI-Unterstützung bei der Aufbereitung sowie ergänzende Poster-Formate sind in Diskussion. Ziel ist es, die Karten niedrigschwelliger und anwendbarer zu machen.
Parallel dazu arbeitet der Arbeitskreis an einer eigenen Fachschrift sowie an einem Beitrag für das German UPA-Buch (Springer-Verlag) – mit Fokus auf Zukunft und Herausforderungen interkultureller User Experience. Auch die künftig erscheinende ISO 9241-812, die den erweiterten KI-Nutzungskontext und damit interkulturelle Aspekte stärker ins Bild rückt, wird in das geplante kollaborative Miro-Board einfließen, auf dem Methoden, Erkenntnisse und Designrichtlinien kontinuierlich weiterentwickelt werden.
Jetzt dabei sein und mitgestalten
Das Face-2-Face-Meeting 2026 in den neuen Hallen der OTH Nürnberg ist die Gelegenheit, all diese Fäden zusammenzuführen, gemeinsam zu diskutieren und die Roadmap des Arbeitskreises für die nächsten Jahre zu formen. Alle, die sich für interkulturelle User Experience, nutzerzentriertes Design im globalen Kontext oder die kulturellen Dimensionen von KI interessieren – ob langjährig aktiv oder frisch dabei –, sind herzlich eingeladen mitzumachen.
Einfach melden – per E-Mail an interkulturalitaet@germanupa.de oder direkt bei der Arbeitskreisleitung unter 0175 5650322.