Arbeitskreis Nachwuchsförderung | Beitrag vom
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Rückblick zur Winter School 2017
Montagvormittag: Susi Augustin, UCD+ Magdeburg
Der erste Beitrag am Montag befasste sich mit User Research im User Centred Design.
Nach einer Einführung in die Tätigkeitsbereiche von UCD+ wurde interaktiv mit den Teilnehmern User Researchmethoden gesammelt. Diese lassen sich grob als Quantitative und Qualitative Methoden unterscheiden.
Wie beginnt man im Projekt? Wichtig ist zunächst Ziele zu ermitteln, wie z.B. Verkaufszahlen zu erhöhen, mehr Käufer zu erreichen oder Abbrüche beim Onlineshopping zu verringern um diese dann anschließend zu priorisieren. Diese Ziele sind in einem nächsten Schritt als Untersuchungsfragen zu formulieren. Zum Beispiel warum werden aus einigen Besuchern keine Käufer? Woran lässt sich festmachen, dass Kunden wiederkommen?
Dazu haben die Teilnehmer auf Basis eines Beispiels anhand einer elektronischen Körperwaage selbst entsprechende Untersuchungsfragen und passende Methoden in Teams ermittelt und die Ergebnisse im Anschluss vorgestellt.
Anschließend wurden drei unterschiedliche Researchprojekte von UCD+ als Beispiele für Nutzung verschiedener Methoden vorgestellt (u.a. Expert Review, Guerilla Testing).
Fazit: auch wenn wenig Budget oder Zeit zur Verfügung steht sollte man immer mindestens qualitatives Research durchführen.
Die Teilnehmererfahrungen mit Interviews wurden diskutiert; es zeigte sich, dass es schwierig sein kann mit Nutzern gute Interviews zu führen. Interviewpartner schweifen gerne mal ab, oder sind “Produkthasser”. Interviewleiter müssen offene Fragen stellen und stets geduldig sein. Helfen können bei Interviews die Methoden:
- 5 W - immer wieder Warum fragen
- What - How - Why - Handlungen hinterfragen
- Interview kombinieren mit Beobachtung
- “um die Ecke denken” (Bsp.: wie finden man Probanden, die einen neuen Duschkopf testen? -> Nudisten haben kein Problem sich beim Duschen beobachten zu lassen)
In einer abschließenden Übung haben die Gruppenteilnehmer jeweils selbst Probanden interviewt. Dabei ging es in dem Beispiel um die Verbesserung einer elektronischen Personenwaage. Die Interviews wurden zunächst vorbereitet in der Gruppe. Die Probanden waren drei Freiwillige aus den Gruppen, die vorher unabhängig instruiert wurden. Daraufhin wurde diskutiert, wie mit den Ergebnissen umzugehen ist und wie man diese präsentiert z.B. mit Personas und Rollenspielen.
Für die Konzeptentwicklung auf Basis der Recherche wurde die “1 aus 3” Methode erprobt.
Zunächst entwickelt jeder Teilnehmer allein erste Ideen für das neue/zu verbessernde Produkt. Danach werden diese zu zweit diskutiert, verbessert und überarbeitet sowie aussortiert. Zuletzt wurden in einer Vierergruppe die besten Ideen ausgewählt. Alle Gruppen präsentierten letztlich ihre drei besten Ideen. Es zeigte sich, dass auch in relativ kurzer Zeit viel gute Ideen entwickelt werden können.
Abgeschlossen wurde der sehr inspirierende Workshop mit Literaturhinweisen und die Teilnehmenden erhielten einen UCD+ User Research Leitfaden.
Montagnachmittag: Richard Bretschneider, eResult Köln
Nun ging es um Design Workshops - gerne spricht man auch von Ideation Workshops, Design Thinking, Design Studio, Google Design Sprint etc. Richard behandelte vorrangig Design Studio. Zunächst machte er klar, dass es ist wünschenswert ist offen zu sein für jede Art von Ideen, die im Laufe des Prozesses auftauchen.
Die erste Gruppenarbeit diente dazu, anhand einer zu entwickelnden App die Design Studio Techniken Sketchen - Kritisieren - Wiederholen zu erfahren und auszuprobieren. Wichtig ist, dass Gruppen interdisziplinär zusammengesetzt sind und auch Entscheider dabei sind.
Die Teilnehmer entwickelten in mehreren Iterationen und in zwei Gruppen jeweils eine “Food and Dating App”, ein Thema was zuvor von den Teilnehmern per Abstimmung ausgewählt wurde. Screens mit potenziellen Funktionen wurden gescribbelt, vorgestellt und diskutiert. In den nächsten Interaktionen wurden die ausgewählten Funktionen weiterentwickelt und wiederum vorgestellt und diskutiert.
Am Abend nach der Klostersführung stand geselliges Beisammensein auf dem Programm mit Fragen und Diskussion mit Richard Bretschneider zu den Themen Bewerbung, Lebenslauf, Bewerbungsgespräch, Studium, Vernetzung, Stellensuche etc.. Alle diskutierten engagiert bis in die Nacht.
Dienstagmorgen: Christian Grieger, Ergosign
Lean UX war das Thema. Nach einer kurzen Einführung startete bereits die erste Übung mit der 6 - 3 - 5 - Methode. Die Aufgabenstellung war, Ideen für eine App zu entwickeln, die dabei hilft, ein Fahrrad auszuleihen, dass dann nach Nutzung an einem beliebigen Platz wieder abgestellt werden kann. Drei Ideen werden aufgeschrieben und zweimal weitergegeben und jeweils mit neuen Ideen erweitert. In der letzten Runde sollen jeweils Ideen entwickelt werden, die eher “Outside the Box” sind. Helfen kann dabei, wenn man z.B. darüber nachdenkt, wie es nicht sein sollte, oder wie wäre es in der Zukunft anwendbar oder öfters die Perspektive wechselt.
In der nächsten Runde wurde Storymapping mit Post-its angewandt, dass den gesamten Fahrradausleihprozess abbilden sollte. Auch diesmal wurden Projektideen präsentiert, die trotz der kurzen Zeit sehr interessant waren.
Dienstagnachmittag: Reinier Kortekaas
Reinier stellte im letzten Workshop die Medizintechnik (SIEMENS Healthineers) in Forchheim (nördlich von Nürnberg) vor. Auch in der Medizin ist mehr und mehr die Effizienz der Prozesse wichtig. Ein Patient wird behandelt gemäß der Phasen Vorsorge, Diagenose, Therapie, Pflege. In Forchheim werden Geräte für die Untersuchung von Gefäßerkrankungen hergestellt. Dafür sind bildgebende Verfahren von großer Wichtigkeit, z.B. Röntgenbilder während einer OP. Derartige Arbeitsumgebungen sind sehr anspruchsvoll und komplex.
Wichtig sind Normen, vor allem die Norm für Medizinprodukte DIN 62366 für die Risikominimierung.
Die erste Übung war Personas zu entwickeln für Rollen für die SW-Entwicklung in der Medizintechnik: SW-Entwickler, Risk Analysis und Product Manager. Die nächste Aufgabe war ein Grobkonzept für ein touchbasiertes Device zu entwickeln, welches Röntgenfilme vorwärts und rückwärts abspielen kann. Wiederum zeigte sich in den Präsentationen, dass auch in kurzer Zeit praxisfähige Projektideen entwickelt werden können.
Aufgrund des guten Feedbacks der Teilnehmer werden wir auch wieder im nächsten Jahr eine Winter School anbieten, das Format eignet sich bestens für einen guten Einblick in die Praxis verschiedener Unternehmen. Sehr motivierend ist es verschiedene Methoden und Teamarbeit auszuprobieren und neue Anregungen und Kontakte zu bekommen.
Über die Coaches und Themen der Winter School 2017
Qualitative Research-Techniken von Guerilla bis zur großen Studie
In ihrem Beitrag zeigt Susi praxisnah, wie du qualitative Research-Techniken gezielt einsetzt – von kleinen Guerilla-Studien bis hin zu umfassenden Untersuchungen. Du lernst, welche Methode wann sinnvoll ist, wie groß dein Research sein sollte und welche Ziele du damit verfolgen kannst. Außerdem erklärt sie, wie du Ergebnisse auswertest und diese effektiv für die Gestaltung von Benutzeroberflächen nutzt. Im Workshop warten praktische Übungen, hilfreiche Tipps und Vorlagen auf dich – alles rund um Vorbereitung, Durchführung und Auswertung anhand eines konkreten Szenarios. Theorie, praxisnahe Übungen und gemeinsame Reflexion sorgen für ein rundum spannendes Erlebnis.
Susi Augustin
Susi Augustin ist leitende Senior Interface Designerin für Software-Lösungen bei der Design- und Usability-Agentur UCDplus GmbH. Seit mehr als 8 Jahren versorgt sie Auftraggeber aus allen Industriebranchen mit hochwertigen digitalen Interfaces. Stets mit dabei: Usability. Denn als zertifizierter Usability Experte sorgt sie auch dafür, dass der Nutzer mit seinen Bedürfnissen stets an erster Stelle der Produktentwicklung steht. Ihre Arbeiten finden sich in Produkten der Volkswagen Aktiengesellschaft, der Siemens AG, aber auch bei dem Medizingerätehersteller Eckert&Ziegler Bebig GmbH und einem der führenden Systemautomation-Spezialisten, der Hilscher GmbH.
Wie man aus zahlreichen Ideen 2 richtig gute Ansätze entwickeln kann
Im “Design Studio” wird in Kleingruppen in mehreren Iterationen gesketcht, präsentiert und kritisiert und über diesen Weg vielseitige Ideen und Lösungsansätze generiert und ausgetauscht. Gemeinsam werden diese Ideen weiterentwickelt – teils durch Remixen der Ideen, teils durch Einarbeiten der konstruktiven Anmerkungen der anderen Team-Mitglieder.
Am Ende werden die entstandenen Ansätze diskutiert und im Rahmen eines abschließenden Reviews ein weiteres Vorgehen abgestimmt.
Das “Design Studio” ist ein agiles Format, das ursprünglich aus dem Produkt- und Industrie-Design stammt, aber auch Wurzeln in der Architektur hat. Seit der Adaption für Software- und Web-Entwicklungsprojekte findet es zunehmend Anwendung – insbesondere in frühen (Produkt)Entwicklungsphasen bzw. im Zuge der Konzeptionsphase, also weit vor einer ersten Umsetzung.
In unserem Workshop wenden wir dieses Ansatz an einem fiktiven Beispiel an und erleben damit den Ansatz live!
Thorsten Wilhelm
Thorsten Wilhelm ist seit 1996 in Sachen UX unterwegs. Zunächst im wissenschaftlichen Dienst am Institut für Marketing & Handel an der Universität Göttingen, seit dem Jahr 2000 als geschäftsführender Gesellschafter der eresult GmbH. Wissen weitergeben, das war Thorsten Wilhelm stets wichtig, als Dozent und Blogger (www.usabilityblog.de, www.nutzerbrille.de).
Schlank und schnell zur Bike Sharing App
Lean UX ist auf dem Vormarsch und verändert die Art und Weise der Zusammenarbeit in interdisziplinären Teams. Mit Hilfe verschiedener Kreativitätstechniken entwickeln wir gemeinsam Ideen zu einer Bike Sharing App.
Dabei lernst du, wie kooperative Methoden im Umfeld von Lean UX zur Entwicklung von Minimum Viable Products genutzt werden
Christian Grieger
Christian Grieger ist UX Designer mit einer Leidenschaft für die Gestaltung von intuitiven und benutzerzentrierten Produkten im Umfeld hochkomplexer Systeme. Als UX Manager bei Ergosign leitet er ein Team von UX Designern und berät Kunden bei der Durchführung von benutzerzentrierten Designprojekten, insbesondere in den Bereichen Enterprise und Digital Engineering. Darüberhinaus engagiert sich Christian bei Ergosign aktiv in der Ausbildung und Talentsuche. Christian Grieger hat an der Fachhochschule Kaiserslautern Digitale Medien mit dem Schwerpunkt Mensch-Maschine-Kommunikation studiert und arbeitet seit 2005 bei Ergosign.
UX in der stark regulierten Welt der Medizintechnik. Wie kann ich als UX Designer den medizinischen Fachkräften helfen, dem Patienten zu helfen?
Das wichtigste Ziel der Medizintechnik ist es, medizinische Fachkräfte zu befähigen, die Lebensqualität ihrer Patienten zu steigern. Medizinprodukte finden zuhause Anwendung, wo z.B. ein Diabetespatient für die Überwachung seines Insulinspiegels selber zuständig ist. In OP Umgebungen wie z.B. dem Herzkatheterlabor kann es direkt um Leben und Tod handeln. Folglich ist der Entwicklungsprozess von Medizinprodukten durch normativen Anforderungen stark reguliert, und sind ggf. viele Menschen bei der Entwicklung dieser Produkte beteiligt.
Kann ein UX Designer der Wert auf Kreativität und Agilität legt, in einem solchen Umfeld zufriedenstellend arbeiten? Anhand von praktischen Bespielen werden wir im Workshop die Interessen der verschiedenen Beteiligten kennenlernen. Ziel des Workshops ist es, gemeinsam der Frage nach zu gehen, welche Rolle ein UX Designer sinnvoll einnimmt, und wie er/sie mit unterschiedlichen Interessen umgeht.
Dr. Reinier Kortekaas
Dr. Reinier Kortekaas arbeitet bei Siemens Healthcare GmbH in der Entwicklung von Röntgensystemen für die Angiographie, d.h. die Untersuchung und Behandlung von Gefäßen. Sein Schwerpunkt ist dabei die User Experience. Vor seiner Tätigkeit in der Angiographie arbeitete er mehrere Jahre als Produktmanager mit starkem Fokus auf Usability bei Siemens Hörgeräte. Reinier studierte Informatik kombiniert mit Sprachwissenschaften in Amsterdam, hat in der Psychoakustik in Eindhoven promoviert, und war 2 Jahre als PostDoc in den USA tätig. Reinier interessiert sich stark für die Methodik der UX.